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Aufnahme: 29.12.2010 , laborgras (© Walter Bickmann)

Interview / Portrait

LaborGras

LaborGras

Interview zu „10 Years LaborGras in Berlin“

laborgras.com

Das Kollektiv laborgras wurde im Sommer 1994 von den Tänzern/Choreografen Renate Graziadei (A) und Arthur Stäldi (CH) in Hamburg gegründet und ist seit 2000 in Berlin ansässig. Seit der Gründung des Kollektivs arbeiten sie im Sinne eines Laboratoriums mit Vertretern des Tanzes und aus anderen Bereichen der Kunst an Experimentierfeldern im Tanz. laborgras macht es sich seit jeher zur Aufgabe, Tanz als eigenständige Kunstform und Sprache zu untersuchen und die eigene Handschrift durch den Einfluss anderer Ästhetiken und Künstler offen zu halten und weiter zu formulieren.

laborgras ist davon überzeugt, dass Tanz eine Sprache ist, die wie keine andere spricht. Alle Auseinandersetzungen, Experimente und Produktionen die wir in den letzten Jahren realisiert haben, haben zu der Entwicklung unserer unverkennbaren und prägnanten Bewegungssprache geführt die wir mit der Produktion Retour fortschreiben wollen. Da sich unsere Arbeitsweise nicht auf die Herstellung von Produktionen konzentriert, sondern eher langfristig und nachhaltig eine stetige künstlerische Weiterentwicklung einfordert, verstehen wir unsere Produktionen als Zustandsberichte. Die stetige Beschäftigung und Auseinandersetzung mit unseren künstlerischen Wurzeln, und der Essenz unseres künstlerischen Antriebs steht im Gegensatz zu dem gängigen Bestreben, Neues zu schaffen.

Um unsere künstlerische Position immer wieder neu und wegweisend weiter formulieren zu können beschäftigen wir uns seit 2012 mit der Idee der Renaissance des zeitgenössischen Tanzes. Um diese Renaissance anzustoßen, gilt es für uns das Wissen aus der Vergangenheit, speziell der des amerikanischen postmodernen Tanzes mit dem wir uns seit Jahren beschäftigen neu zu erinnern, zu belichten, zu hinterfragen und in einen geeigneten Kontext zu stellen.

Studio laborgras
laborgras betreibt seit Herbst 2002 in Berlin-Kreuzberg ein eigenes Studio. Das Studio ist ein Ort für Tanz in Berlin. Die Studiobühne ist das Zuhause des Kollektivs und wird von zahlreichen nationalen und internationalen Künstlern als Research-, Austausch- und Performancezentrum genutzt. Mit den im Studio stattfindenden Residenzen, Performances, und Weiterbildung- und Forschungsprogrammen ist das Studio ein Ort der Entwicklung von anspruchsvollem, belebendem, sozial engagiertem Tanz. Im Zusammenspiel diverser Präsentations-, Weiterbildungs- und Diskussionsformen ist für laborgras das Studio ein Ort/Forum in dessen Zentrum die Künstler, ihre Arbeit, ihr Denken, und ihre Konfrontation mit sich und dem Publikum stehen. Um den Diskurs mit dem Publikum und Kollegen zu fördern, werden die im Studio stattfindenden Arbeitsprozesse und Projekte in den dafür notwendigen künstlerischen Formaten öffentlich gemacht. Den Dialog zwischen Künstler und Publikum entstehen zu lassen sieht laborgras als wichtige Notwendigkeit für die Weiterentwicklung künstlerischen Schaffens. Das Publikum ist das notwendige Gegenüber und muss daher gepflegt werden.

Die Arbeit von laborgras ist national und international anerkannt. Die Produktionen von laborgras wurden als „Innovative Tanzproduktion 2000“ (ballett-tanz) ausgezeichnet, erhielten den Essener Kurt-Jooss-Preis und wurden zum „Resolution! Aerowaves Festival“ in London und zur Deutschen Tanzplattform nach Leipzig eingeladen. Die 2006 entstandene Produktion „I, myself and me again“ wird seit der Uraufführung auf zahlreichen internationalen Festivals präsentiert und sowohl in der Tanzwissenschaft wie auch im Bereich der Neuen Medien als herausragende interdisziplinäre Arbeit besprochen. 2009 konnte laborgras mit Unterstützung von Sasha Waltz & Guests im Rahmen von „Choreographen der Zukunft“, das Solo Rückwärts produzieren und beim „Internationales Tanzfest – Tanz im August 2009“ im Radialsystem V zur Uraufführung bringen. Das Solo wurde bei 3sat als Höhepunkt des Abends „Choreographen der Zukunft“ erwähnt. Ebenso wurde Renate Graziadei in der jährlichen Kritikerumfrage der Zeitschrift ballett-tanz 2010 als beste Tänzerin des Jahres ausgezeichnet. Die Performance-Installation Habitat, uraufgeführt im Dezember 2010 im Radialsystem V konnte mit Hilfe des Hauptstadtkulturfonds im Rahmen von Tanz im August 2011 wieder aufgenommen werden. Alle neun Vorstellungen waren ausverkauft.

Renate Graziadei geboren in Österreich, begann ihre Tanzausbildung in der Schweiz. Anschließend studierte, arbeitete und lebte sie 3 Jahre in New York, wo sie u.a. bei der Nina Wiener Dance Company tanzte. Nach ihrer Rückkehr nach Europa arbeitete sie mit Rui Horta beim S.O.A.P. Dance Theatre Frankfurt und schloß sich danach der Hamburger Tanzgruppe COAX an. Im Herbst 1994 gründete sie gemeinsam mit Arthur Stäldi das Kollektiv laborgras. Seit der Gründung von laborgras hat sie gemeinsam mit Arthur Stäldi zahlreiche eigene Produktionen/ Projekte realisiert und war an Produktionen anderer Künstler beteiligt. Einer ihrer längsten und engsten Zusammenarbeit besteht seit 1999 mit dem Choreographen David Hernandez. In den letzten 14 Jahren war sie an den meisten seiner Produktionen beteiligt. 1997 und 1998 erhielt sie ein Stipendium des danceWEB Programms der Internationalen Tanzwochen in Wien. In der jährlichen Kritikerumfrage der Zeitschrift ballett international/tanz aktuell wurde sie 1997 als profilierte Nachwuchstänzerin und 2010 als beste Tänzerin ausgezeichnet. Seit 1996 unterrichtet sie regelmäßig an verschiedenen Institutionen im In-und Ausland zeitgenössische Tanztechnik, Improvisation und Komposition. Seit Sommer 2004 arbeitet sie als Korrepetitor und seit 2008 als Tänzerin bei Sasha Waltz and Guests.

Der gebürtige Schweizer Arthur Stäldi begann seine Tanzausbildung in Luzern (Schweiz) und Rotterdam (Holland). Er arbeitete anschließend an verschiedenen Stadttheatern in der Schweiz und Deutschland und gründete 1989 gemeinsam mit der Tänzerin Rica Blunck die Hamburger Tanzgruppe COAX. Seit seiner Loslösung von COAX im Sommer 1994 arbeitet er für das von ihm mit gegründeten Kollektiv laborgras und hat an zahlreichen internationalen Projekten anderer Künstler/Choreografen mitgewirkt. Eine der engsten und längsten Zusammenarbeiten besteht seit Herbst 1999 mit dem Choreografen David Hernandez. Seit 1996 unterrichtet er regelmäßig an verschiedenen Institutionen in Deutschland zeitgenössische Tanztechnik, Improvisations- und Kompositions- Workshops in Deutschland, Schweiz, Belgien, Kroatien, Dänemark, Italien, Kolumbien und bei Internationalen Festivals und in Tanzinstitutionen (u.a. Ernst Busch Schule Berlin, Tanzfabrik Berlin). Seit 2008 arbeitet er als Improvisator, Choreograf, Dramaturg (u.a. laborgras, Boost residenz programm Luxemburg) und als Technischer Leiter im Studio laborgras.

Trailer und Videodokumentationen

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