Springe zum Inhalt

Aufnahme: 08.10.2009 , Haus der Berliner Festspiele (Video © Walter Bickmann)

Helena Waldmann

BurkaBondage

Haus der Berliner Festspiele

Texte zur Produktion

helenawaldmann.com

Mit „BurkaBondage“ bringt Helena Waldmann erneut eine provokative Produktion mit aktuellen politischen Bezügen in die Theater.

Afghanistan im März 2001: nach dem vergeblichen 26-tägigen Beschuss mit Geschützen und Raketen zerstören Taliban-Milizen die beiden größten stehenden Buddha-Statuen der Welt im Tal von Bamiyan mit drei Tonnen Sprengstoff. Es bleiben nur Trümmer und die riesigen Felsnischen zurück.

Nachdem die Regisseurin und Choreografin Helena Waldmann 2007 das erste Mal nach Kabul gereist ist, um ihre Inszenierung „return to sender“ zu zeigen, macht sie im Jahr darauf eine Entdeckung: die jungen afghanischen Theaterleute, mit denen sie arbeitet, bezeichnen sich selbst als „Generation Rain“. Eine Generation, die auch ohne die Herrschaft der Taliban weiter orientierungslos tief im Schlamm einer fundamentalistischen Geschichte steckt.

In Japan, einem hochindustrialisierten, reichen Land, wie es eigentlich entfernter von Afghanistan nicht sein könnte, erlebt Helena Waldmann später Ähnliches: junge Leute ohne Glauben an eine selbstbestimmte Zukunft, gefesselt in den erdrückenden Traditionen einer streng strukturierten und hierarchisierten Gesellschaft, bezeichnen sich als „Lost Generation“ und – es mag Zufall sein – beziehen die Zerstörung der Buddhas im fernen Afghanistan auch auf sich selbst.

Als die Choreografin Kommunikationswege zwischen diesen Gruppen etabliert hat, wird die Sprengung, das Verschwinden der Buddhas von Bamiyan zum Ausgangspunkt der Gespräche. Sowohl die japanische als auch die afghanische Seite erkennen sich in dem erzwungenen Verschwinden der Körper. Und beide kommen zu korrespondierenden Fragestellungen. Sind die leeren Nischen, die nach der Sprengung übrig geblieben sind, Rahmen von etwas, das keine Existenzberechtigung hat? Und was müssen wir sprengen, um frei zu werden – den Rahmen oder das, was sich darin befindet?

Für die Parallelen zwischen beiden Generationen, für den Kampf um Sichtbarkeit und Entfesselung hat Helena Waldmann in ihrem Stück eine geradezu ikonische Entsprechung gefunden: Burka und Bondage. Die Burka ist ein afghanischer Mantel, der verhüllt. Bondage ist eine japanische Technik, die fesselt.

Helena Waldmann macht sich auf die Suche nach dem Körper ohne Gesicht. Mit zwei Tänzerinnen, die das Extrem lieben, einem Künstler, der den Körper ausradiert, und einem Genie der Trommel. Um der Scham die Maske abzureißen.

Helena Waldmann, geboren 1962, gilt als eine der eigenwilligsten Künstlerinnen der aktuellen Theaterlandschaft. Sie lernte ihr Handwerk u.a. bei Heiner Müller, George Tabori und Gerhard Bohner und ist diplomierte Theaterwissenschaftlerin. Seit 1991 führt sie Regie und choreografiert im In- und Ausland.

Besetzung & Credits

von und mit
Yui Kawaguchi (Tanz)
Vania Rovisco (Tanz)
Acci Baba (Videoanimation)
Mohammad Reza Mortazavi (Komposition und Live-Musik)

Konzept, Regie, Choreografie Helena Waldmann
Dramaturgie Dunja Funke
Bühne Jochen Sauer
Lichtdesign Andreas Fuchs
Kostüme Mari Krautschick
Wissenschaftliche Mitarbeit Taiya Mikisch
Coaching Afghanistan Monireh Hashemi
Öffentlichkeitsarbeit k3 berlin
Produktionsleitung und Tourmanagement www.ecotopiadance.com

Eine Produktion von Helena Waldmann und ecotopia dance productions
In Koproduktion mit Berliner Festspiele, Burghof Lörrach, Fabrik Potsdam, Forum Freies Theater Düsseldorf, Festival Theater in Bewegung Jena, Pumpenhaus Münster, Tafelhalle im KunstKulturQuartier Nürnberg, Theater im Pfalzbau Ludwigshafen
Mit freundlicher Unterstützung von ITI Germany und Goethe Institut
Gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds.

Haus der Berliner Festspiele

Schaperstraße 24
10719 Berlin

berlinerfestspiele.de
Karte

Tickets: +49 (o)30 254 89 100

Helena Waldmann / Trailer und Videodokumentationen

Nach oben