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Disabled Theater
Aufnahme: 03.11.2012 , HAU Hebbel am Ufer (HAU1) (Video © Walter Bickmann)

Jérôme Bel, Theater Hora

Disabled Theater

HAU Hebbel am Ufer (HAU1)

Texte zur Produktion

jeromebel.fr

In seinem neuen Stück arbeitet Jérôme Bel mit geistig behinderten Schauspielern des Theater Hora aus Zürich. Die Performer teilen mit ihrem Publikum das ihnen eigene Zeitempfinden, ihre besondere Körperlichkeit und Sensibilität. Es entsteht ein Raum, in dem Behinderung nicht aus den visuellen und diskursiven Praktiken ausgeschlossen ist – das Marginalisierte ist in den ästhetischen Diskurs vollständig integriert.

„Menschen mit einer geistigen Behinderung werden in unserer Gesellschaft nicht repräsentiert und sind kaum Teil der Diskurse. Auch im öffentlichen Raum sind sie inexistent, sie werden aus der Gesellschaft ausgeschlossen. Der Abstand zwischen der Mehrheitsgesellschaft und dieser Minderheit ist abgrundtief. Das ist eine Aufteilung, die mir unerträglich ist. Und so geht es unter anderem darum, der Gemeinschaft, als die sie erscheinen, Sichtbarkeit zu verschaffen. Zu zeigen, dass diese Schauspieler, denen jeglicher Wert abgesprochen wird, das experimentelle Theater bereichern können, dass ihre theatrale Einzigartigkeit voller Versprechungen für das Theater und den Tanz ist, so wie ihr Menschsein es für die Gesellschaft im Allgemeinen sein sollte.“
Jérôme Bel

„Der Choreograf Jérôme Bel interessiert sich seit seinen frühesten Arbeiten für das, was ausserhalb der Repräsentation steht. In seinen Choreografien werden die Regeln von Tanz und Theater wie die Syntax einer Sprache behandelt, die analysiert und schliesslich ins Spiel gebracht wird. Seine von professionellen wie auch Amateur-Interpreten getanzten und gesprochenen Choreografien lassen sich auch als Stellungnahmen zugunsten einer Demokratisierung des Tanzes auffassen, die er durch eine nicht-virtuose Herangehensweise zu verwirklichen sucht.

Für Disabled Theatre (2012) hat er mit den Schauspielern mit geistiger Behinderung des Zürcher Theater HORA zusammengearbeitet. In einer Gesellschaft, die sich selbst als zutiefst normal definiert, bildet Behinderung eine Grenze, gegen die die Kategorie der Normalität anrennt. Ihre intellektuelle Spielart, also geistige Behinderung, gilt weithin als das radikale Gegenteil der intellektuellen Schärfe und Kultiviertheit des an zeitgenössischem Tanz und Theater interessierten Publikums. Diese Form von Behinderung versucht Bel in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit ebendieses Publikums zu rücken, um aus ihr einen Schlüssel zu machen, der uns eine Sichtweise erlaubt, durch die wir eine gemeinsame Dimension denken können.

Bei der Arbeit mit den Schauspielern des Theater HORA geht es Bel um die Eröffnung eines Raums, in dem Behinderung weder aus künstlerischen und diskursiven Praktiken ausgeschlossen noch hinter dem Schutzschirm politischer Korrektheit versteckt, sondern als Bestandteil eines Diskurses anerkannt wird, der für die ästhetische wie die politische Dimension von Bedeutung ist.

Mit Disabled Theatre wirft Bel ein Schlaglicht auf die Dynamik der Ausgrenzung, durch die diejenigen an den Rand gedrängt werden, die als unproduktiv gelten. Er zeigt auf, wie sie ganz im Gegenteil auch die Mechanismen dieser Repräsentation hinterfragen und auf die Existenz als eine ungeteilte Form der Präsenz hindeuten können.“
Chiara Vecchiarelli

[Quelle: Abendzettel & www.hebbel-am-ufer.de]

Besetzung & Credits

Konzept: Jérôme Bel
Von und mit: Remo Beuggert, Gianni Blumer, Damian Bright, Matthias Brücker, Matthias Grandjean, Julia Häusermann, Sara Hess, Miranda Hossle, Peter Keller, Lorraine Meier, Tiziana Pagliaro
Dramaturgie: Marcel Bugiel
Produktionsleitung: Ketty Ghnassia
Assistenz und Übersetzung: Simone Truong, Chris Weinheimer
Assistent Jérôme Bel: Maxime Kurvers
Praktikant: Jean-Florent Westrelin
Künstlerische Leitung Theater HORA: Michael Elber
Ausbildungsleitung Theater HORA: Urs Beeler
Gesamtleitung Theater HORA: Giancarlo Marinucci
Tourplanung: Theater HORA
Produktion: Theater HORA – Stiftung Züriwerk (Zürich)
Koproduktion: Theater HORA, R.B. Jérôme Bel, HAU Hebbel am Ufer (Berlin), Auawirleben (Bern), Kunstenfestivaldesarts (Brüssel), dOCUMENTA (13), Festival d’Avignon, Ruhrtriennale, Festival d’Automne (Paris), Les Spectacles vivants – Centre Pompidou (Paris), La Bâtie – Festival de Genève.
Gefördert durch die Stadt Zürich Kultur, Kanton Zürich Fachstelle Kultur, Stiftung Denk an mich und Ernst Göhner Stiftung.
Mit freundlicher Unterstützung der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia. Aufführungsförderung durch das Institut français und das französische Ministerium für Kultur und Kommunikation/DGCA.
Dank an: Saša Asentic, Tom Stromberg, Andreas Meder (Internationales Theaterfestival OKKUPATION!), Stiftung Züriwerk, Fabriktheater Rote Fabrik Zürich und die Zuschauerinnen und Zuschauer der öffentlichen Durchläufe

HAU Hebbel am Ufer (HAU1)

Stresemannstr. 29
10963 Berlin

hebbel-am-ufer.de
Karte

Tickets: +49 (0)30 259 004 27
tickets@hebbel-am-ufer.de

Videodokumentation

Die Videodokumentation wird von der Kulturprojekte Berlin GmbH im Auftrag der Senatsverwaltung für Kultur und Europa hergestellt. Im Rahmen dieses Auftrags werden Produktionen im Bereich des zeitgenössischen Tanzes in Berlin dokumentiert. Die Masteraufnahmen werden von der Universitätsbibliothek der Universität der Künste Berlin archiviert. Kopien der Dokumentationen auf DVD werden folgenden Archiven zur Verfügung gestellt und sind ausschließlich im Präsenzbestand (an den Medienplätzen vor Ort) zur Sichtung zugänglich:

Universitätsbibliothek der Universität der Künste Berlin
Mediathek für Tanz und Theater des Internationalen Theaterinstituts / Mime Centrum Berlin
Hochschulübergreifendes Zentrum Tanz Berlin

Jérôme Bel / Trailer und Videodokumentationen

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