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La Rue Princesse
Aufnahme: 15.08.2011 , Tanz im August 2011 | Podewil (Video © Walter Bickmann)

N’Soleh

La Rue Princesse

Tanz im August 2011 |

Texte zur Produktion

Dieses Projekt von Jenny Mezile und Massidi Adiatou entsprang dem Wunsch, eine musikalische Komödie auf der Basis afrikanischer urbaner Tänze zu schreiben. Glauben, träumen, widerstehen, um Ängste und Tränen zu vergessen!

Abidjan, der Stadtteil Yopougon: Die Rue Princesse wird jeden Abend von tausenden von Leuten besucht. Hier, in den Bars und Nachtlokalen von Abidjan, haben die neuen urbanen Tänze ihren Ursprung – der Vogelgrippentanz, der Coupé Décalé (“offenes Verdeck”) zum Herumzeigen der Markenklamotten etc… Alle Übel der Gesellschaft der Elfenbeinküste werden hier umgewandelt in Freude, Schattenseiten und Niederlagen jedes Einzelnen zerspringen, die Menge gerät in einen Taumel. Tanzen, Trinken, um das Leid zu vergessen und in einem imaginären Paradies zu leben, für eine Nacht.

Die Choreografen Massidi Adiatou und Jenny Mezile richten ihren Blick auf diese Form des Widerstands der Völker angesichts der Dekadenz unserer Gesellschaften. Die aufeinanderfolgenden Geschichten hauchen dem hitzigen und gewagten Tanz Leben ein. “La Rue Princesse” ist eine Märchenkomödie, in der sich afrikanische Rhythmen und polyphone Stimmen mischen, ein geradezu extravagantes, tönendes Universum, eine Verwandlung der Menschen, eine Körperorgie. Zarte Momente voller Emotionen entführen den Zuschauer in ein flippiges Universum, wo nichts verboten ist. In dieser Kakophonie wird jeder Einzelne für einen Abend zum Virtuosen, mit phantastischen Hüftschwüngen, deren Geheimnis nur Afrika kennt.

Diese Hommage der Compagnie N’Soleh gilt allen Völkern, die dem wachsenden Elend nach Kräften widerstehen. Wir befinden uns zwar in Abidjan, aber wir könnten ebenso gut in den Favelas von Rio de Janeiro oder dem Elendsviertel von Port-au-Prince sein, der Cité soleil.

Massidi Adiatou stammt von der Elfenbeinküste. Ausgebildet wurde er bei der Künstlerin und Schriftstellerin Were Were Liking Niepo in dem von ihr gegründeten Künstlerdorf Kiyi M’bock. Dort entwickelte er als Choreograf seine ersten Arbeiten. 1992-1993 tanzte er beim Jeune ballet de France, unter der Leitung Reddah Bentifours. 1994 gründete Massidi Adiatou mit Victor Ahou Boua die Compagnie N’Soleh. 1995 wird in Zusammenarbeit mit TV5 Monde und der Revue Noire das erste Stück, “Dolorosa”, uraufgeführt. Im selben Jahr erhält Adiatou den MASA-Nachwuchspreis (Marché des Arts et de Spectacles Africains). Adiatou ist im Tanz, aber auch im Film aktiv, etwa als Darsteller in Claire Denis’ Film “Beau Travail” (1999). “Corps Actif”, in Co-Autorschaft mit Victor Ahou Boua entstanden, erhält 1998 den 1. Preis für die beste afrikanische Choreografie in Luanda, und Massidi Adiatou wird mit dem Oscar als bester Choreograf des Jahres 1998 in der Elfenbeinküste ausgezeichnet. 2000 erhält “Nous”, das Adiatou mit Jenny Mezile entwickelte, den Autorenpreis bei den Rencontres Chorégraphiques Internationales in Bagnolet bei Paris.

Geboren in Haïti, lernte Jenny Mezile traditionellen haitianischen Tanz und Jazztanz bei Hertz Florville (Cie Loray) Haïti. Seit sie 1992 nach Frankreich ging, tanzt sie in zeitgenössischen Compagnies und spielt in afro-karibischen Musikgruppen. 1997 zeigt sie ihr erstes Stück, “Manzé Ida” unter anderem beim Festival d’Avignon. Im selben Jahr begegnet sie Massidi Adiatou und wird Choreografin der Compagnie N’Soleh. Jenny Mezile ist Installationskünstlerin, Kostümbildnerin und war als Szenographin unter anderem für Cesaria Évora oder Youssou N’Dour tätig. Ende 2011 übernimmt sie Leitung und Szenografie bei der Eröffnung des Comis Agropastoral d’Ibolowa in Kamerun. Die Aktionen der Choreografen Massidi und Jenny sollen die Jugendlichen in Afrika gegenüber der zeitgenössischen Kunst sensibilisieren. Die Compagnie zeigt regelmäßig Performances auf der Straße und an anderen ungewöhnlichen Orten, wo sie ihr Publikum unmittelbar vor sich hat.

Besetzung & Credits

Konzept & Choreografie: Massidi Adiatou, Jenny Mezile
Mit: Koudous Ayanyemi Adiatou, Massidi Adiatou, Sophiatou Adiatou, Bi Boa Jean Marie Boli, Kamenan Joel Bousson, Tanguy Dje Bi Dje, Fernand Irié, Athanase N’Guessan Koffi, Desirée Koffi, Sylvie Kouame, Jenny Mezile, Bohono Sylvain Tahi
Künstlerische Mitarbeit: Eva Doumbia
Musik: Massidi Adiatou, Ayanyemi Koudous Adiatou (DJ)
Kostüm: Jenny Mezile, Bob Wer
Management: Julie Demaison
Produktion: Cie N’Soleh
Unterstützt von: Französische Botschaft Abidjan, Französisches Kulturzentrum Abidjan, BaCa, MJ Evènements, Tampico, EVEREST, Radio Jam, CACAB
Gastspiel mit freundlicher Unterstützung des Goethe-Instituts.

Tanz im August | 2011
Veranstalter: Hebbel am Ufer – Künstlerische Leitung / Geschäftsführung Matthias Lilienthal, Kulturprojekte Berlin GmbH / TanzWerkstatt Berlin – Geschäftsführung Moritz van Dülmen
Künstlerische Leitung: Ulrike Becker, Dr. Pirkko Husemann, Matthias Lilienthal, André Thériault, Marion Ziemann
Produktionsleitung: Kati Thiel, Anna Wagner, Marion Ziemann
Tanz im August wird unterstützt durch den Regierenden Bürgermeister von Berlin –
Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten.
Gefördert aus den Mitteln des Hauptstadtkulturfonds.

Videodokumentation

Die Videodokumentation wird von der Kulturprojekte Berlin GmbH im Auftrag der Senatsverwaltung für Kultur und Europa hergestellt. Im Rahmen dieses Auftrags werden Produktionen im Bereich des zeitgenössischen Tanzes in Berlin dokumentiert. Die Masteraufnahmen werden von der Universitätsbibliothek der Universität der Künste Berlin archiviert. Kopien der Dokumentationen auf DVD werden folgenden Archiven zur Verfügung gestellt und sind ausschließlich im Präsenzbestand (an den Medienplätzen vor Ort) zur Sichtung zugänglich:

Universitätsbibliothek der Universität der Künste Berlin
Mediathek für Tanz und Theater des Internationalen Theaterinstituts / Mime Centrum Berlin
Hochschulübergreifendes Zentrum Tanz Berlin

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