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Aufnahme: 02.05.2013 , Sophiensæle (Video © Walter Bickmann)

Christoph Winkler

RechtsRadikal

Sophiensæle

Texte zur Produktion

christoph-winkler.com

JEDER FÜNFTE NEONAZI IST HEUTE WEIBLICH, jede zehnte rechtsradikale Straftat geht auf das Konto einer Frau. Sie besetzen Schlüsselstellen in allen Bereichen und scheuen auch vor Gewalt nicht zurück. RechtsRadikal erforscht, warum immer mehr Frauen in rechtsradikalen Bewegungen aktiv sind. Lange wurden sie nur als Anhängsel der Männer betrachtet, Beate Zschäpe zum Beispiel, der weibliche Teil des Zwickauer Terrortrios, wurde zunächst nur als Gefährtin der Männer wahrgenommen, als das Heimchen am Herd. Doch dies spiegelt mittlerweile keineswegs die Realität wider.

Gerade junge Frauen in den freien Kameradschaften mischen sich aktiv in die Straßenkrawalle rund um Neonazidemonstrationen ein. Doch trotz ihrer gewachsenen Bedeutung für die rechtsradikale Bewegung sind sie nach wie vor mit einer Ideologie konfrontiert, die nicht nur alles Andersartige bekämpft, sondern auch auf einem extrem biologistischen Rollenverständnis basiert.

In RechtsRadikal untersucht Christoph Winkler gemeinsam mit vier jungen Tänzerinnen die äußeren wie inneren Zeichen für den Zwiespalt, in dem sich rechte Frauen befinden. Die Radikalisierung des Körpers ist ein Drama des Körpers, denn rechte Ideologie ist im wahrsten Sinne des Wortes extrem, sowohl nach außen als auch nach innen. Frauen, die sich dort hineinbegeben, werden somit gleichzeitig Akteurinnen wie Objekte ihrer männlichen Kampfgenossen. RechtsRadikal sucht den körperlichen Ausdruck für diesen Konflikt.

CHRISTOPH WINKLER geb. in Torgau, war als Jugendlicher zunächst mehrfach Spartakiadesieger im Gewichtheben und Judo und trainierte Kampfsport und Break-Dance, bevor er zur Ausbildung an die Staatliche Ballettschule Berlin delegiert wurde. Er tanzte in Videoproduktionen für MTV und trat Anfang der neunziger Jahre in Berlin als Performer in Underground-Technoclubs auf. Danach studierte er vier Jahre Choreografie an der Berliner Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“. Seit 1998 arbeitet er als freischaffender Choreograf. Er wurde schon früh von der Kritik für seinen innovativen Tanzstil und minimalistischen, streng komponierten, diskursiven Tanzdramen wahrgenommen und erhielt Einladungen zu zahlreichen Festivals. Ab 2006 begann sich seine Arbeit deutlich zu diversifizieren. Er arbeitet mit jungen Hip-Hop-TänzerInnen (Tales of the Funky, 2007, Saal A, 2008, Taste of Ra, 2009, Maldoror-Amped, 2011), sowie an einer Reihe von Arbeiten mit bildenden KünstlerInnen über den Begriff von Performance und die Kontextualisierung von Tanz (Posed, 2008, Eine Geschichte, 2009). 2007 gründete er zusammen mit ehrliche arbeit – freies Kulturbüro die Agentur BERLIN GOGOS als Möglichkeit für zeitgenössische TänzerInnen, sich am freien Markt zu bewähren. Wichtig ist ihm, solche Themen für den Tanz zu finden, die ganz innerhalb dieser Kunstform stehen, aber darüber hinaus auf aktuelle gesellschaftliche Diskurse hinweisen. In diesem Sinne entstand 2012 Dance! Copy! Right? zum Thema Urheberrecht. Im Herbst 2013 folgt auf RechtsRadikal das kapitalismuskritische Männer-Quartett Das wahre Gesicht. Das Solo Baader – Choreografie einer Radikalisierung (Teil der Reihe Böse Körper) wurde 2012 zur Tanzplattform eingeladen, der Tänzer Martin Hansen dafür von der Zeitschrift „tanz“ zum Tänzer der Jahres 2012 ernannt.

MERCEDES DEL R. APPUGLIESE wurde in 1979 in Mendoza, Argentinien geboren. Dort studierte sie klassischen Tanz und gehörte fünf Jahre der Ballettcompanie der Universität Nacional von Cuyo an. Mit einem Stipendium der Stiftung Julio Bocca und der Stiftung Antorcha ging sie nach Buenos Aires, um klassischen und zeitgenössischen Tanz sowie Tango Argentino zu studieren. Sie war Gasttänzerin bei der Companie Ballet Argentino von Julio Bocca und arbeitete fünf Jahre für Ana Maria Stekelman als Tänzerin der Companie Tangokinesis. Ihr Engagement führte sie unter anderem auf Festivals in die USA, Kanada, Mexiko, Ecuador, Brasilien, Kolumbien, Italien, Frankreich, Griechenland und Deutschland. Von 2007 bis Ende 2010 war Mercedes Appugliese als Tänzerin für die cie. toula limnaios tätig. Seit 2011 arbeitet sie als freischaffende Tänzerin und Choreografin u.a. mit MamaNoSing an der Produktion Brehms Frauenleben, Schumann Opus 42, mit der Tanzcompagnie Rubato an der milk&bread / rice&water, mit Clébio Oliveira für Milchstraße und mit Yuko Matsuyama für Nichjou sahan/Pan de cada día (Movement & Sound Improvisation). Seit 2008 ist Mercedes Appugliese zudem als Dozentin im Bereich Zeitgenössischer Tanz an der FU Berlin und seit 2011 an der TU Berlin tätig. 2012 gründete sie zusammen mit Florian Bilbao A+B TANZBAU.

EMMA DANIEL, geb. 1992 in Frankreich. Abschluss in zeitgenössischen Tanz im Mai 2011 von der Conservatoire National Superieur de Musique et de Danse de Paris. Danach verlagerte sich ihr Interesse von Tanz-Performance zum Schaffensprozess, was ein Studium an der School for New Dance Development (SNDO) in Amsterdam nach sich zog. Gleichzeitig arbeitete sie fünf Jahre lang mit Dominique und Françoise Dupuy in Frankreich und war Teil einer Neueinstudierung von Mathilde Monnier’s Frêres et Soeurs, sowie dem Solo Asobu von Josepf Nadj. Da seit einigen Jahren ihr Interesse dem Effekt der Multidisziplinarität in der Kunst gilt, sucht Emma zunehmend nach Möglichkeiten, ihren Gesang mit ihrer choreografischen Arbeit zu verbinden.

SHIRAN ELIASEROV ist Performerin und Choreografin. Sie lebt und arbeitet in Berlin und Tel Aviv. Abschluss in Choreografie von der Salzburg Experimental Academy of Dance. Danach gründete sie „Construction Site“: eine Plattform, auf der NachwuchskünstlerInnen aus Israel und überall auf der Welt ihre Arbeiten ausstellen, sich vernetzen und kollaborieren können. Shiran kollaboriert mit ChoreografInnen und MusikerInnen aus der ganzen Welt und produziert auch eigene Arbeiten. Aktuell liegt ihr Fokus auf standortspezifischer und multimedialer Performance. Ihre Arbeiten bedienen sich traumartiger Bilder, in denen sich Fiktion und Realität vermischen, sich Bedeutungen verschieben, durchsichtige Bilder miteinander verschmelzen und die Grenze zwischen Vergangenheit und Gegenwart verschwimmt. Sie untersucht die Zweideutigkeit und den Ursprung des bewegten Körpers im Raum und auf diese Weise die Dynamik der Landschaft. Wie beeinflusst eine Landschaft den Körper? Wo liegen die Grenzen des Körpers als Landschaft? Welche Beziehung gibt es zwischen dem Effekt, den eine Landschaft auf uns hat und unsere Manipulation der uns umgebenden Landschaft? Statt eine faktische Realität aufzuzeigen, fabrizieren wir für unsere Vorstellungswelten eine Illusion.

CLAIRE VIVIANNE SOBOTTKE, geboren 1982 in Duisburg, wuchs in einer Französisch-Deutschen Familie auf. Sie interessierte sich schon früh für Theater, Performance und Tanz. Im Alter von 16 entdeckte sie Butoh-Tanz und die Grotowski Methode. Mit 18 zog sie nach Berlin, wo sie weiterhin zeitgenössischen Tanz studierte, verschiedene Ansätze an Körperarbeit ausprobierte und einen Schauspiel-Abschluss an der „Universität der Künste“ erhielt. Es folgten Engagements als Schauspielerin an der Volksbühne Berlin, Deutsches Theater Berlin, Comédie de Reims, Théatre Vidy Lausanne und Schauspielhaus Graz mit Regisseuren wie Theu Boermans, Mikael Serre, Johannes Schmit, Michael Schweighöfer. Zugleich arbeitete und kollaborierte sie als Tänzerin und Performerin in freien Projekten mit Anna Nowicka, Justin Kennedy, Jule Flierl, Miriam Horwitz, Anna Melnikova, Hermann Heisig, Institutet, Theo Solnik, Daniel Schrader und der Ballhaus Ost Crew. 2012 begann sie mit ihrem Solo a boys dream, das als work-in-progress im ada Studio Berlin gezeigt wurde. Und sieht sie sich eher als Schauspielerin oder als Tänzerin? Zur Zeit arbeitet sie mit unterschiedlichen Mitteln an spezifischen Fragen oder Wünschen, für die sie eine bestimmte Ausdrucksform sucht: Mit Stimme, Gesang, Tanz, Bewegung, Sprache oder Objekten. Besonders faszinieren sie die Mechanismen und die Symptome des Begehrens und die Körperlichkeit und emotionalen Zustände von Kindern. 2013 wurde sie für ein danceweb Stipendium beim ImpulsTanz Festival in Wien ausgewählt.

Besetzung & Credits

KONZEPT: Christoph Winkler
VON UND MIT: Emma Daniel, Shiran Eliaserov, Katarzyna Sitarz, Claire Vivianne Sobottke
KOSTÜME: Lisa Kentner
KOSTÜMBETREUUNG: Sina Schröppel
LICHT, TECHNIK: André Schulz
PRODUKTIONSDRAMATURGIE: ehrliche arbeit – freies Kulturbüro
DRAMATURGISCHE ASSISTENZ: Anna Wille
Eine Produktion von Christoph Winkler und ehrliche arbeit – freies Kulturbüro. In Koproduktion mit Lofft – Das Theater, Leipzig. In Zusammenarbeit mit der Heinrich-Böll-Stiftung und SOPHIENSÆLE. Gefördert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds und des Kulturamts der Stadt Leipzig.
Mit freundlicher Unterstützung von Phase 7.

Sophiensæle

Sophienstraße 18
10178 Berlin

sophiensaele.com
Karte

Tickets: (030) 283 52 66

Christoph Winkler / Trailer und Videodokumentationen

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