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Aufnahme: 24.01.2016 , NAH DRAN 55 | ada Studio (Video © Walter Bickmann)

Nina Berclaz

Red, coffee and fog

NAH DRAN 55 | ada Studio in den Uferstudios

Texte zur Produktion

Performer beobachten Bildschirme. Sie sind süchtig. „Twin Peaks“ ist da, doch durch Zeit verschleiert. Das Gedächtnis wählt, an was wir uns erinnern wollen und dies oft aus nicht erklärbaren Gründen. Ein vergangenes Ereignis kann durch unser Gedächtnis auf ein Gefühl, einen Geruch, ein Bild, einen Ton oder eine Farbe reduziert worden sein. Eine Erinnerung kann auch ein sehr starkes Gefühl abstrakter „Überreste“ im Gedächtnis sein. Im Stück sind es nur die Darsteller, die die eigentlichen Bilder sehen. Diese Bilder sind reduziert, wie aus einem „fernen“ Gedächtnis, und für das Publikum reduziert durch die räumliche „Entfernung“. Die amerikanische Serie „Twin Peaks“ von David Lynch und Mark Frost aus dem Jahre 1990 beeinflusste damals wesentlich die damalige Filmwelt, aber vor allem auch das Fernsehprogramm. Was ist die Macht einer TV-Serie, und was kann uns so süchtig danach machen? „Twin Peaks“ hat viele Antworten auf diese Fragen, aber die Interessanteste für dieses Projekt ist die absichtliche „Verschleierung“ der Tatsachen oder das „Verwischen der Spuren“. Selbst nichtige Dinge werden dadurch plötzlich übermäßig wichtig für die Handlung. Von Staffel zu Staffel werden die Episoden immer intensiver aber auch verwirrender. Im Französischen heisst es „brouiller les pistes“ (Spuren verwischen). Das Wort „brouiller“ hat den selben Ursprung wie „brouillard“ und ist zu deutsch „Nebel“. „Brouillard“ wird andererseits aber auch zu dem, was wir unklar nennen oder was kondensiert und unlesbar ist. Die Bearbeitung der Videos und der Choreografie sind ähnlich: Sie beeinflussen sich und sind abhängig voneinander, dabei jedoch keineswegs nur Kopie oder Entsprechung. Die rätselhaften Bewegungen der Tänzer sind obsessiv und dabei unergründlich. Wie können wir Bilder als physische Impulse im choreografischen Raum empfangen anstatt im Stuhl sitzend emotional von ihnen berührt zu werden? Die Darsteller sind süchtig nach dem Bildschirm, es ist ihre Nahrung! Sie sind jederzeit bereit, aber nur ein Element bewegt sie, der Rest des Bildes ist verschwommen. Der undurchsichtige Nebel verschleiert die Landschaft, nur das rote Licht kann uns noch (hindurch) führen.

Nina Berclaz studierte am Konservatorium von Nîmes und in Montpellier/Frankreich. Sie graduierte am Trinity Laban (London) in zeitgenössischem Tanz (BA) und arbeitete u.a. mit Simon Vicenzi und Rahel Vonmoos. Sie choreografierte „So wem ade all the food mild“ und „Her Majesty’s Workout“. Sie arbeitete mit Vania Gala in „Invited Guests“ und „35 days of nothing to say“. Nach einem Praktikum bei Gilles Jobin wurde sie Assistentin für die Produktion „Because of Love“ von Franko B. Seit sie in Berlin ist, sang Nina zusammen mit Alan Bishop und Leila Albayaty und wurde choreografische Mitarbeiterin beim Tanzarchiv-Projekt von Annette Sonnewend. Kürzlich kreierte sie das Stück „Rot, Kaffee und Nebel“, arbeitet mit Lea Pischke in deren neuesten Arbeit „Spectral Schematics“ und singt im Chor bei der Produktion „Das Ende der Welt“ von Saãdane Afif.

Klaus Bitto studierte klassischen Tanz an der Internationalen Ballett-Akademie Nürnberg/Fürth und schloss mit dem Bachelor of Arts in Tanz und Performance an der ArtEZ Dance Academy für zeitgenössischen Tanz in Arnheim (Niederlande) ab. Man konnte ihn auf der Bühne in Stücken von Philip Taylor, Patrick Delcroix, Ed Wubbe, Jérôme Meyer, Erik Kaiel, Arno Schuitemaaker sowie in eigenen Produktionen sehen. Klaus war aktiv in der Amsterdamer Tanzszene unterwegs, bevor er beschloss, dass es Zeit war, Berlin als neues Abenteuer zu entdecken. Seitdem brachte ihn neben verschiedenen Tanz- und Performance-Projekten in Berlin (u.a. mit Noam Frank, Nina Berclaz, João Cidade) die Zusammenarbeit mit den Choreografen Johannes Härtl, Lana Coporda und Christian Weiß wieder zurück nach Arnheim, München und Braunschweig.

Esther Manon Siddiquie lebt und arbeitet zwischen Berlin und London. Sie ist Tänzerin und Choreografin sowohl an eigenen Projekten, als auch in Kollaborationen. Im Jahr 2013 schloss sie ihr Studium an der Londoner Contemporary Dance School ab, wo sie den Charlotte Kirk Patrick Award für außergewöhnliche Leistungen als Tänzerin erhielt. Eine erste Studie ihrer jüngsten Zusammenarbeit mit James Morgan und Alex Springer – „The Face To Face“ – wurde im Rahmen des Touch Wood 2015 am The Place gezeigt. Im selben Jahr wurde sie eingeladen, ihre Produktion „suitcase, ein tanzstück für zuschauer“ auf der 3. Kaleidoscopic Arts Platform zu zeigen. Darüber hinaus arbeitet sie mit Sivan Rubinstein und The Mostly Everything People.

Benedikt Schiefer ist ein sehr vielseitiger Komponist, ein erfolgreicher Klangkünstler, Performer und Produzent. Schiefer arbeitete mehrmals mit den Regisseuren Volker Schlöndorff und Christoph Hochhäusler und erhielt für seine Kompositionen den German Film Critics‘ Award 2012. Im Jahr 2011 wurde Schiefer für den französischen Filmmusik-Preis SACEM nominiert und erhielt im selben Jahr den Giga-Hertz-Preis für elektronische Musik des Zentrums für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe. Schiefer ist ein virtuoser und authentischer Grenzgänger zwischen klassischer und zeitgenössischer Musik; er ist auch für seine Elektro- und Funk-Projekte in der Clubmusikszene bekannt.

Besetzung & Credits

Choreografie & Video: Nina Berclaz
Performance: Nina Berclaz, Esther Manon Siddiquie, Klaus Bitto
Musik: Benedikt Schiefer

ada Studio wird gefördert durch die Kulturverwaltung des Berliner Senats.
Künstlerische Leitung & Geschäftsführung: Gabi Beier
Pressearbeit: Silke Wiethe
Technische Leitung: Ansgar Tappert
Wir danken dem Hochschulübergreifenden Zentrum Tanz Berlin und dem Uferstudios-Team für die Unterstützung!

ada Studio in den Uferstudios

Uferstr. 23
13357 Berlin

ada-studio.de
Karte

Tickets: (030) 21 80 05 07
ada-berlin@gmx.de

Videodokumentation

Die Videodokumentation wird von der Kulturprojekte Berlin GmbH im Auftrag der Senatsverwaltung für Kultur und Europa hergestellt. Im Rahmen dieses Auftrags werden Produktionen im Bereich des zeitgenössischen Tanzes in Berlin dokumentiert. Die Masteraufnahmen werden von der Universitätsbibliothek der Universität der Künste Berlin archiviert. Kopien der Dokumentationen auf DVD werden folgenden Archiven zur Verfügung gestellt und sind ausschließlich im Präsenzbestand (an den Medienplätzen vor Ort) zur Sichtung zugänglich:

Universitätsbibliothek der Universität der Künste Berlin
Mediathek für Tanz und Theater des Internationalen Theaterinstituts / Mime Centrum Berlin
Hochschulübergreifendes Zentrum Tanz Berlin

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