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Aufnahme: 12.09.2019 , Sophiensæle (Video © Walter Bickmann)

Olivia Hyunsin Kim, Ddanddarakim

Say My Name, Say My Name

Sophiensæle

Texte zur Produktion

I want to live in a world that is collaborative
A world that is emotionally intelligent
A world in which we are linked and not ranked!

„The Future is Female“, Madame Gandhi

Ich arbeite hier,
Ich weiß wie ich hart arbeite,
Ob die Deutschen es auch wissen?
Meine Arbeit ist schwer,
Meine Arbeit ist schmutzig.
Wenn das mir nicht gefällt,
geh in deine Heimat, sagen sie.
(…)
Mein Land hat mich nach Deutschland verkauft.
Mein Name ist Ausländer.

„Mein Name ist Ausländer“, Semra Ertan

ZU BEGINN TRUGEN „COMPUTER“ RÖCKE: Frauen*, oft Frauen* of Color, waren führende Figuren in den Informationstechnologien. Sie knackten geheime Codes, arbeiteten in der Fernmeldetechnik und rechneten für die NASA. Ihre Namen wurden zu denen ihres Arbeitsortes oder Arbeitsgebers, z.B. Dilly’s Girls. Sobald sich die Computertechnologien als profitabel erwiesen, wurde die Branche männlicher. Die jetzt männlich geprägte Technisierung der Sorge-Arbeit umfasste nun willige Sexroboter in Frauenform und Sprachassistent*en mit weiblicher Stimme. Wo es noch kein technisches „Update“ gab, sind weltweit weiterhin vor allem Frauen* für die Sorge- und Pflegearbeit zuständig, zumeist migrantische Frauen* und unter prekären und ausbeuterischen Bedingungen. Sie leisten die sogenannte 3D-Arbeit: dirty, dangerous, demeaning (schmutzig, gefährlich, erniedrigend).

DIE KOREANISCHE FRAUENGRUPPE erkämpfte mehr Rechte für die ca. 11.000 koreanischen Krankenschwestern, die in den 60er & 70er Jahren den Pflegemangel in Deutschland ausglichen. Als erste migrantische Gruppe erreichten sie durch Solidarisierung und öffentlichen Protest Zugeständnisse vom „Gastland“. Ihre Kämpfe sind kaum in der deutschen Geschichte verankert. SAY THEIR NAME.

1982 verbrennt sich in Hamburg die 25-jährige SEMRA ERTAN öffentlich – aus Protest gegen die zunehmende Feindlichkeit gegenüber als „Ausländer*innen“ gelesene Menschen und gegen prekäre Arbeitsbedingungen für sogenannte „Gastarbeiter*innen“. Sie wollte Aufmerksamkeit und Achtsamkeit für die Menschen hinter den arbeitenden Körpern. Semra Ertan wollte den Menschen in Deutschland den Kampf gegen Rassismus buchstäblich ins Gedächtnis brennen, doch erinnern sich nur wenige an sie. SAY HER NAME.

Was haben Frauen*, migrantische Arbeiter*innen, lernende Maschinen, Roboter und genderqueere Organismen gemeinsam? SAY MY NAME, SAY MY NAME erstellt unheimliche Verknüpfungen zwischen scheinbar unverbundenen Körpern, Spezies, Seinweisen und Lebensrealitäten. Wie ist ein Miteinander mit Vielheiten möglich? Wie können wir der Unsichtbarmachung von anderen Körpern und anderen Seinsweisen entgegentreten?

OLIVIA HYUNSIN KIM schloss ihren Master in Choreografie und Performance am Institut für Angewandte Theaterwissenschaft Gießen und der HfMDK Frankfurt mit Auszeichnung ab. Als ddanddarakim arbeitet sie mit verschiedenen Künstler_innen kollaborativ zusammen. Ihre MeMe-Serie she came, she saw, she said:meme (Teil 1), MeMe – I see. Ah! (Teil 2) und Miss Yellow and Me – I wanna be a musical (Teil 3) tourte international und beschäftigte sich mit dem Exotismus im Bezug auf nichtweiße, „andere” Körper“. In den Sophiensælen war sie zuletzt mit ihrem Stück Yellow Banana (2019) zu sehen. Sie erhielt u.a. Stipendien vom DAAD, dem Berliner Senat, dem Rebecca Skelton Fund, von Erasmus und der Seoul National University.
ddanddarakim.net

[Quelle: Abendzettel]

TFB Nr. 1365

Besetzung & Credits

KÜNSTLERISCHE LEITUNG, CHOREOGRAFIE, PERFORMANCE: Olivia Hyunsin Kim
PERFORMANCE: Zwoisy Mears-Clarke
KLANGKOMPOSITION: Martyna Poznańska
LICHT, VIDEO: Jones Seitz
AUSSTATTUNG: Kristin Gerwien
ASSISTENZ: why elliy
DRAMATURGIE, PRODUKTIONSLEITUNG: Melmun Bajarchuu

Eine Produktion von Olivia Hyunsin Kim/ddanddarakim.
Gefördert vom Hauptstadtkulturfonds, dem Kulturamt Frankfurt am Main, Arts Council Korea und dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst.
Dieses Projekt ist Teil des Residenzprogramms schloss bröllin e.V., unterstützt durch das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Mecklenburg-Vorpommern und dem Landkreis Vorpommern-Greifswald.
Mit freundlicher Unterstützung von c-base, trippen, Tanzfabrik Berlin, TATWERK | Performative Forschung, Theaterhaus Berlin Mitte und der Stadtbibliothek Reinickendorf.

Sophiensæle

Sophienstraße 18
10178 Berlin

sophiensaele.com
Karte

Tickets: (030) 283 52 66

Videodokumentation

Die Videodokumentation wird von der Kulturprojekte Berlin GmbH im Auftrag der Senatsverwaltung für Kultur und Europa hergestellt. Im Rahmen dieses Auftrags werden Produktionen im Bereich des zeitgenössischen Tanzes in Berlin dokumentiert. Die Masteraufnahmen werden von der Universitätsbibliothek der Universität der Künste Berlin archiviert. Kopien der Dokumentationen auf DVD werden folgenden Archiven zur Verfügung gestellt und sind ausschließlich im Präsenzbestand (an den Medienplätzen vor Ort) zur Sichtung zugänglich:

Universitätsbibliothek der Universität der Künste Berlin
Mediathek für Tanz und Theater des Internationalen Theaterinstituts / Mime Centrum Berlin
Hochschulübergreifendes Zentrum Tanz Berlin

Olivia Hyunsin Kim / Trailer und Videodokumentationen

Ddanddarakim / Trailer und Videodokumentationen

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