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Aufnahme: 11.12.2015 , Theater Thikwa im F40 (Video © Walter Bickmann)

Linda Weißig

Seesaw

Theater Thikwa im F40

Texte zur Produktion

Der Mensch braucht den Schlaf wie das Atmen zum Leben. Jeder hat ein ganz persönliches Ritual des Einschlafens und er träumt. Täglich wechseln wir die Bewusstseinszustände, wenn wir vom Wachzustand in den Schlaf gleiten und der Traum beginnt. Körper und Gehirn synchronisieren sich im Schlaf. Wir verarbeiten und reflektieren unseren Alltag auf ganz surreale Weise. Es entstehen Bilder, die der Realität entrückt scheinen. Träume sind persönlich und individuell und sie beleuchten auf zum Teil skurrile Art unsere Ängste, Schwächen, Stärken und Sehnsüchte.

„Seesaw“ durchleuchtet und bebildert die somnambulen Eigenarten der Darsteller und setzt sie tänzerisch um. Die Nacht bildet den Rahmen, um Wünsche und Träume der Akteure theatralisch auszuloten. Es ist ein Spiel mit Bewusstseinsebenen, losgelöst von zeitlichen, räumlichen und körperlichen Zwängen.

Im Vorfeld wurde das Ensemble zu ihren Träumen befragt. Können sie sich an ihre Träume erinnern? Gibt es wiederkehrende Träume? Oder spielen eher Tagträume und ganz individuelle Sehnsüchte eine Rolle, wenn es um das Thema Träume geht? Die Antworten fließen in das Stück ein und werden in tänzerische Sequenzen übersetzt.

In der Nacht hält keine Logik Ordnung – das Denken heißt Traum.

In Schlaflaboren ist erforscht worden, dass das Gehirn während der gesamten Schlafenszeit aktiv ist. Vier bis fünf Mal pro Nacht kommt es zu intensiven Träumen.

Die meisten Menschen träumen in der so genannten REM-Phase (Rapid Eye Movement), die auch Traumschlaf genannt wird. Die Sehrinde wird durch Neuronen erregt, Bilder ziehen vorüber. Die motorischen Systeme springen an und man meint Walzer zu tanzen oder zu fliegen. Gleichzeitig wird der Körper gelähmt. Indem sich der vordere Teil des Großhirns abschaltet, verliert der Schlafende die Kontrolle über die Aufmerksamkeit. Alles wird möglich. Die Pupillen unter den geschlossenen Lidern beginnen zu wandern, als würden die Augen ein bewegtes Geschehen verfolgen. Das Gehirn überträgt die Bewegung der Augen auf die Bilder, die häufig überklar sind, da für das Sehen verantwortliche Teile des Gehirns im REM-Schlaf bis zu sechs Mal erregbarer sind als am Tag. Der Träumende verfolgt das Geschehen wie einen ganz individuellen Film, der keine Beschränkung durch Logik, Kausalität und Naturgesetze kennt.

Seit 2007 arbeitet Linda Weißig als Tänzerin und Choreografin mit Theater Thikwa. Weiterhin unterrichtet sie seit über zwei Jahren das Ensemble in Tanz und Improvisation. Sie inszenierte 2010 „KATE“ mit Darstellern des Thikwa-Ensembles und Marijana Savovska und 2015 „PHYSIS“ in Zusammenarbeit mit Vasileios Koutras.

[Quelle: Abendzettel]

Besetzung & Credits

Mit: Addas Ahmad, Nico Altmann, Louis Edler, Corinna Heidepriem, Vasileios Koutras, Alexander Lange, Katharina Maasberg, Lia Massetti, Tim Petersen, Hilarius Urban, Marijana Savovska, Linda Weißig
Konzept und Choreografie: Linda Weißig
Bühne: Isolde Wittke
Kostüme: Pablo Alarcón
Kostümmitarbeit: Heike Braitmayer
Sounddesign: Nikola Jeremic
Licht: Katri Kuusimäki
Ton: Wolfgang Ullrich
Produktionsbegleitung: Wolfgang Ullrich, Johanna Kirstein
Technische Leitung: Ralf Arndt, Torsten Litschko
Foyergestaltung: Álvaro Martínez Alonso und Marieta Campos Gisbert
Gefördert durch: Heidehof Stiftung

Theater Thikwa im F40

Fidicinstr. 40
10965 Berlin

thikwa.de
Karte

Tickets: (030) 61 20 26 20

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