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Aufnahme: 03.06.2012 , Sophiensæle (Video © Walter Bickmann)

Sebastian Matthias

WALLEN

Sophiensæle

Texte zur Produktion

sebastianmatthias.com

DAS VERB WALLEN BESCHREIBT die Übertragung von Bewegungen wogenden Wassers oder Grases auf emotionale Regungen wie aufwallende Verärgerung, bebendes Schluchzen, furchtsames Zucken, krampfhaftes Gelächter. In Sebastian Matthias‘ neuer Produktion lässt sich wallen sowohl als Beben im fein abgestimmten Kontrahieren der Muskeln sowie als wellenförmiges, tänzerisches Muster begreifen. Die KünstlerInnen analysieren Bewegungen, in denen sich Emotionen manifestieren, lösen diese Verbindungen auf und überführen sie in abstrakte choreografische Bausteine. Was bleibt von der kulturellen Bedeutung der Emotion übrig? Wie entscheidend ist die Verbindung zwischen ihren Manifestationen und ihrem phänomenalen Gehalt? Wie verändert sich deren Erlebnis in dieser fortschreitenden Abstraktion? Je weiter die Analyse fortgetrieben wird, desto unsicherer werden die Grenzen zwischen den zunächst so eindeutigen Konzepten.

DIE FÄHIGKEIT DES KÖRPERS, andere Körper zu affektieren und affektiert zu sein, leitet durch das Stück. Jene ineinander übergehenden Intensitäten bilden die Grundlage für die Choreografie, die die TänzerInnen im kollektiven Prozess konstruieren. So werden emotionale Regungen nicht nur thematisch verhandelt und für das Definieren choreografischer Bausteine verwendet, sondern geben Ausschlag für das tänzerische Handeln. Auch der Sound als eigenständiger Körper erschließt sich diesen sich ständig verändernden Raum. In der reliefartigen Landschaft aus Drehstühlen haben ZuschauerInnen die Möglichkeit ihre Perspektive nach ihrem Befinden zu modifizieren. Wallen macht in einer immer neu auszuhandelnden Dramaturgie aus abstrahierten emotionalen Manifestationen ein Spektrum unbekannter emotionaler Vermischungen erfahrbar.

SEBASTIAN MATTHIAS studierte bis 2004 an der Juilliard School in New York und tanzte anschließend am Nürnberger Staatstheater und bei Hubbard Street Dance Chicago, USA. Nach Deutschland zurückgekehrt, studierte er an der FU Berlin Tanzwissenschaft (MA, 2010) und beschäftigte sich gemeinsam mit Karin Hermes mit dem Tanzrepertoire des 20. Jahrhunderts. Ausgehend vom Bauhaus beginnt die Beschäftigung mit Bewegungsqualitäten, welche seine choreografische Arbeit bis heute prägt. 2009 war er Artist-in-Residence im Rahmen von Pépinières européennes pour jeunes artists am LADMMI, Montréal und 2010 Residenzchoreograf am K3 | Tanzplan Hamburg. Seine Arbeit Tremor wurde mit dem Jurypreis der Sophiensæle beim 100° Festival 2011 ausgezeichnet und zur Tanzplattform Deutschland 2012 und ImPulsTanz eingeladen. Weitere Stückentwicklungen erfolgten in Zusammenarbeit mit dem Theater Vorpommern (Nordische Weise, 2011), dem NDR – das neue Werk und dem Ensemble Resonanz (Dezett, 2011). Seit März 2012 vertieft er seinen Ansatz zur künstlerischen Forschung mit einem Doktoranden-Stipendium am Graduiertenkolleg Versammlung und Teilhabe und weitet ihn auf partizipative Prozesse aus.

JAN BURKHARDT ist Tänzer, Choreograf und Musiker. Schwerpunktfelder seiner Ausbildung sind unter anderem die LabanBartenieff- Bewegungsstudien und Body Mind Centering (BMC) sowie klassische und zeitgenössische Musik. Er lebt und arbeitet in Berlin und kooperiert national und international mit KünstlerInnen und Kompanien. Neben eigenen Projekten (zuletzt Vexations für ImPulsTanz, Wien) arbeitet er seit 2007 vor allem mit dem Regisseur und Choreografen Laurent Chétouane. Darüberhinaus ist er regelmäßig Lehrer für das Profitraining am K3 | Tanzplan Hamburg sowie mit K3 Mitglied des EUgeförderten Projektes IDOCDE.

LISANNE GOODHUE erhielt ihre Ausbildung in klassischem Ballet an der L’École Supérieure de Danse du Québec und am Le Jeune Ballet du Québec in Montréal (Kanada) sowie in zeitgenössischem Tanz an der LADMMI, l´école de danse contemporaine 2010. Seit 2007 arbeitet sie als Tänzerin vor allem in Montréal, Brüssel, Hamburg und Berlin. 2009 begann die enge Zusammenarbeit mit dem Choreografen Sebastian Matthias, aus der die Arbeiten basssolo (2009), Tremor (2010) und Dezett (2011) hervorgingen, die in New York, Montréal, Hamburg, Berlin, Bern und Szczecin gezeigt wurden. Darüber hinaus erhielt Lisanne 2007 eine Ausbildung in Bildenden Kunst am Montmorency College in Laval (Kanada).

DEBORAH HOFSTETTER wurde an der Ballettschule des Opernhauses Zürich sowie an der Schweizerischen Ballettberufsschule zur Tänzerin ausgebildet und schloss 2000 mit Diplom ab. Während vier Spielzeiten war sie in der Tanzkompanie am Theater St. Gallen unter der Leitung von Philipp Eglis engagiert. Seit Anfang 2005 ist sie als freischaffende Tänzerin tätig mit Engagements unter anderen bei der Company Public in Private, Hermesdance, Atempo repertory dance ensemble, Denise Lampart Compagnie, Sonia Rickli Performance Company, Compagnie Laura Tanner, Ventura Dance Company, Cie Linga, Cie Urto und dem Leipziger Tanztheater (D.C. Dilligence).

ISAAC SPENCER begann sein Training mit Joan Sheary und setzte es an der Walnut Hill School for the Arts fort. Er studierte an der Juilliard School und schloss 2004 mit dem BFA ab. 2003 erhielt er den Princess Grace Preis für Modernen Tanz. Isaac arbeitete ab 2004 mit Hubbard Street Dance Chicago und ab 2006 mit dem Cullberg Ballett in Schweden und konzentriert sich seither auf die freiberufliche Arbeit in Europa und den USA.

JASSEM HINDI erarbeitet Klang- und Objektkunst. Er experimentiert in seiner Arbeit mit tiefen elektro-akustischen Frequenzen und unterschiedlichsten Materialien, die er in musikalischen Gesten und rohen Geräuschen zusammenbringt. Seine Arbeitsmethoden stammen aus bildender und darstellender Kunst. Er wurde durch internationale Institutionen wie dem Norwegian Arts Council, Ystad Arts Museum, Nordic Arts Council und CCN de Belfort gefördert.

NINA IRINA WITKIEWICZ ist Produktdesignerin und gestaltete die Kostüme für Tremor und wallen. Nach ihrem Studium in Magdeburg und London arbeitete sie in verschiedenen Designbüros und verfolgt nun freischaffend und interdisziplinär ihre eigenen Projekte.

TANJA RÜHL absolvierte in Darmstadt ihren Meister für Veranstaltungstechnik mit der Fachrichtung Beleuchtung und arbeitete anschließend als Assistentin des Beleuchtungsmeisters am Frankfurter Opernhaus mit dem Ballet Frankfurt. 2005 wurde sie als Beleuchtungsmeisterin für The Forsythe Company engagiert und ist seit 2007 Lichtdesignerin der Kompanie. Daneben verfolgt sie Projekte in der freien Szene mit jungen Choreografen in der ganzen Welt.

KATARINA KLEINSCHMIDT studierte Tanz an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main und arbeitete dort mit zahlreichen ChoreografInnen. Um ihr Verständnis von Tanz weiter zu vertiefen studierte sie zudem Tanzwissenschaft an der Freien Universität Berlin (MA 2010), woraus sich ihre dramaturgische Zusammenarbeit mit Martin Nachbar und Sebastian Matthias entwickelte. Seit 2010 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Hochschule für Musik und Tanz Köln und beschäftigt sich mit Methoden künstlerischer Forschung im Tanz.

MARCUS DROSS studierte Angewandte Theaterwissenschaft in Giessen. Die meisten seiner eigenen, musikalisch-performativen Arbeiten entstanden seit 1996 in Zusammenarbeit mit dem Komponisten Michael Wolters und dem Musiktheater-Netzwerk New Guide to Opera. Als Regisseur, Dramaturg und künstlerischer Mentor arbeitet er mit KünstlerInnen und Kollektiven in den Bereichen Musiktheater, Performance und Choreografie sowie für Festivals, Residenzprogramme, Koproduktionshäuser und in der künstlerischen Ausbildung. Seit 2012 ist er Programmdramaturg am Künstlerhaus Mousonturm in Frankfurt am Main.

[Quelle: Abendzettel]

Besetzung & Credits

KONZEPT, CHOREOGRAFIE: Sebastian Matthias mit Jan Burkhardt, Lisanne Goodhue, Deborah Hofstetter, Isaac Spencer
TANZ: Jan Burkhardt, Lisanne Goodhue, Deborah Hofstetter, Isaac Spencer
SOUND: Jassem Hindi
KOSTÜME: Nina Irina Witkiewicz
LICHT, BÜHNE: Tanja Rühl
DRAMATURGIE: Katarina Kleinschmidt, Marcus Dross
REGIEASSISTENZ: Jannikhe Möller
PRODUKTIONSLEITUNG: ehrliche arbeit – freies Kulturbüro
TECHNISCHE LEITUNG: Arne Schmitt
Eine Produktion von Sebastian Matthias, in Koproduktion mit Kampnagel Hamburg, der Dampfzentrale Bern und Sophiensaele.
Gefördert aus Mitteln der Kulturbehörde Hamburg, des Regierenden Bürgermeister von Berlin – Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten und der Rudolf Augstein Stiftung.
Mit freundlicher Unterstützung von den Uferstudios Berlin.

Sophiensæle

Sophienstraße 18
10178 Berlin

sophiensaele.com
Karte

Tickets: (030) 283 52 66

Videodokumentation

Die Videodokumentation wird von der Kulturprojekte Berlin GmbH im Auftrag der Senatsverwaltung für Kultur und Europa hergestellt. Im Rahmen dieses Auftrags werden Produktionen im Bereich des zeitgenössischen Tanzes in Berlin dokumentiert. Die Masteraufnahmen werden von der Universitätsbibliothek der Universität der Künste Berlin archiviert. Kopien der Dokumentationen auf DVD werden folgenden Archiven zur Verfügung gestellt und sind ausschließlich im Präsenzbestand (an den Medienplätzen vor Ort) zur Sichtung zugänglich:

Universitätsbibliothek der Universität der Künste Berlin
Mediathek für Tanz und Theater des Internationalen Theaterinstituts / Mime Centrum Berlin
Hochschulübergreifendes Zentrum Tanz Berlin

Sebastian Matthias / Trailer und Videodokumentationen

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