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Videoaufnahme der Berlin Premiere am 10.02.2012 in den Sophiensaelen, Berlin. | Kamera & Editing: Walter Bickmann. © TanzForumBerlin Jede Weiterverwendung der Trailer und Fotos ohne schriftliche Genehmigung von TanzForumBerlin ist untersagt.

Laurent Chétouane: Hommage an das Zaudern

Berlin Premiere: 10. Februar 2012, 20.00
Weitere Vorstellungen: 11. - 13. Februar 2012, 20.00 Uhr

Sophiensaele | Festsaal
Sophienstraße 18
10178 Berlin

Karten: 030 - 283 52 66
www.sophiensaele.de

www.laurentchetouane.com

Konzept, Choreografie: Laurent Chétouane
Tanz: Joris Camelin, Rémy Héritier
Klavier: Jan Burkhardt
Mitarbeit: Georg Döcker
Kostüme: Sophie Reble
Licht: Stefan Riccius
Eine Produktion von Laurent Chétouane in Koproduktion mit Tanzquartier Wien und Sophiensaele.
Gefördert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds.
Mit freundlicher Unterstützung des Institut français Deutschland / Bureau du Théâtre et de la Danse, des französischen Ministeriums für Kultur und Kommunikation / DGCA, DOCK 11, Berlin und C. Bechstein Centrum Berlin.

DER EINE UND DER ANDERE SIND SIE. Es sind zwei auf der Bühne, aber beide sind Sie. Es sind zwei von einem selben Körper. Es ist der Ihre. Er ist es, der ihre Kadenzen, ihr Auftreten, ihre Pausen annimmt. Sie nähern sich an und sie rücken von sich ab, so wie ein Körper mit sich selbst verfährt. Wenn ein Körper überhaupt "sich selbst" ist, wenn er der selbe mit sich ist oder wenn er sich ist. Zweifellos ist er es nur, indem er sich von sich trennt. Wie alles "sich", das nur Rückkehr zu "sich" ist, Wiederholung des sich ohne Anfangspunkt. Jeder ist hier der Anfang des anderen. Jeder widerspiegelt den anderen oder wiederspielt ihn, aber nichts ist identisch. Identisch ist nur ihr Körper, der ihre doppelte Kadenz annimmt, ihr Auftreten im Spiegel, ihre entstimmte Pause. Jeder ist eine der Spiegelseiten, eine der Körperseiten, seine rechte, seine linke, seine vordere oder seine hintere, seine Erhebung oder sein Sitz. Jeder ist die Anbindung oder die Losbindung seiner Gesten: jener des anderen oder jener des selben und des anderen des anderen. Jeder heftet sich an den anderen, indem er sich streichend ablöst. Jeder ruft den anderen und jeder vermeidet ihn. Es gibt Ähnlichkeit nur durch Unterschied. Natürlich geschieht das bei Ihnen: Es ist diese Fluidität bei Ihnen von einem Körper, der sich zu seiner eigenen Unentschiedenheit stimmt, zu seinem unstabilen Gleichgewicht am Rande des Laufs, des Halts oder der Beugung. Die Unentschiedenheit einer Musik, eines vielleicht kaum ausgesprochenen Worts, eines Entwickelns ohne Erzählung, eines Einwickelns ohne Einschluss.
Jean-Luc Nancy über das Stück "Hommage an das Zaudern"

DAS ZAUDERN FÜHRT EINE PREKÄRE EXISTENZ. Es hat kaum Konjunktur in einer Epoche der totalen Ökonomisierung, in der es keine Zeit und keinen Raum für Denkweisen zu geben scheint, die sich lieber der Komplexität und Vielfalt einer Situation widmen. Stattdessen findet eine Vereinfachung statt, die zwar vielleicht "rentable" Entscheidungen ermöglicht, aber die Variation der Möglichkeiten und die Pluralität der Richtungen dabei gleichzeitig zerstört. Zaudern könnte eine kritische Haltung sein, die diese Art zu denken radikal unterbricht. In seinem neuen Tanzstück choreografiert Laurent Chétouane das Zaudern nicht als Unentschlossenheit oder Handlungsschwäche, sondern vielmehr als Öffnung der Bewegung hin zur Mannigfaltigkeit. Damit befragt er auch die Ökonomie des Tanzes und zeigt, was der Tanz alles sein könnte: Zwei Tänzer und ein Pianist kreieren einen "Zauderraum", der die Handlungslogik unterläuft, indem die Lücken zwischen den Entscheidungen betreten werden, um dort Neues, Vergessenes, Nicht- Geachtetes wahrzunehmen, und diese als Optionen gleichzeitig nebeneinander existieren zu lassen. In einer Ethik der Pluralität.

JAN BURKHARDT ist im In- und Ausland als Tänzer und Choreograf tätig. Schwerpunkte seiner Arbeit sind zeitgenössische Tanztechniken, Laban-Bartenieff Bewegungsstudien, Body Mind Centering, Kontaktimprovisation und multimediale Improvisation. Starken Einfluss übt seine jahrzehntelange Beschäftigung mit klassischer und zeitgenössischer Musik aus. Neben Projekten für und mit Profis arbeitet er immer wieder auch mit Laien, Kindern und Jugendlichen. Neben Performanceproduktionen in Theatern sucht er auch die Herausforderung und das Potential des öffentlichen Raums als Kunstund Kommunikationsort.

JORIS CAMELIN studierte Musikwissenschaften an der Universität in Nizza (Frankreich), wo er auch zu tanzen begann. Ausgangspunkt seiner Karriere als Tänzer war die Zusammenarbeit mit Frédéric Flamand für die Expo 2000 in Hannover. Seither arbeitete er international unter anderem mit Daelik Hackenbrook, Mark Tompkins, Constanza Macras, Jeremy Wade und in Deutschland mit Ingo Reulecke, Iztok Kovaz und Meg Stuart. Camelin entwickelt auch eigene choreografische Arbeiten und Performances und befasst sich mit der Erforschung von Körper und Bewegung in improvisierten Vorstellungen an öffentlichen Orten wie Museen (Louvre, Kunst- und Ausstellungshalle in Bonn). Seit 2008 war er an verschiedenen Produktionen von Laurent Chétouane als Tänzer beteiligt. Nach "Faust I" und "Tanzstück #4: leben wollen ( zusammen )" ist "Hommage an das Zaudern" die dritte Zusammenarbeit.

LAURENT CHÉTOUANE absolvierte nach einem Ingenieursstudium ein Studium der Theaterwissenschaft an der Sorbonne und der Theaterregie an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt/Main. Seit 2000 inszeniert er an zahlreichen großen Bühnen u. a. in Hamburg, München, Weimar, Köln, Athen, Oslo, Zürich. Zusätzlich erarbeitet er seit 2006 tänzerische Projekte (Tanzstück # 1 – 4, "horizon(s)") in Berlin, Essen und Wien mit internationalen Koproduzenten und Einladungen zu Festivals wie "Rencontres Chorégraphiques Internationales" und "springdance" in Frankreich, den Niederlanden, Belgien, Österreich, der Türkei und Norwegen. In Vorbereitung ist das Projekt "Sacré Sacre du Printemps". Die Uraufführung wird bei der Ruhrtriennale 2012 im PACT Zollverein Essen sein. 2008 erhielt er die Wild Card der RUHR.2010 und den Förderpreis des Landes Nordrhein-Westfalen für hervorragende junge KünstlerInnen. Gastprofessuren hatte er in Gießen und Berlin, sowie Gastdozenturen in Oslo, Frankfurt/M., Hamburg, Leipzig, Bochum.

RÉMY HÉRITIER studierte Geschichte, Sozialwissenschaften und Tanz am Centre Chorégraphique National de Montpellier. Seit 1999 arbeitet er als Tänzer u.a. mit Mathilde Monnier, Philipp Gehmacher, Jennifer Lacey, Loïc Touzé, Laurent Pichaud, Christophe Fiat, Sylvain Prunnenec, Matthieu Kavyrchine und Guillaume Robert. Eigene Choreografien entwickelt er seit 2003, die an Orten wie Centre Pompidou Paris – Spectacles Vivants, Fondation Cartier pour l'Art Contemporain (Paris), Les Laboratoires d'Aubervilliers (Paris), Le Plateau (Paris), Montpellier Danse, ImPulsTanz (Wien), Tanzquartier Wien, PACT Zollverein (Essen), Latitudes Contemporaines (Lille), Mettre en Scène (Rennes), Kaaistudio (Brüssel), Bains::Connective (Brüssel) und Atelier Real (Lissabon) gezeigt wurden. 2008-2009 war Rémy Héritier "associate artist" an den Laboratoires d'Aubervilliers. "Hommage an das Zaudern" ist die erste gemeinsame Arbeit mit Laurent Chétouane.

SOPHIE REBLE war in der Spielzeit 2005/06 Mitglied des Jungen Schauspielhaus Zürich, Kostümbildassistentin an den Münchner Kammerspielen und am Deutschen Theater Berlin, bis sie 2007 Kostümbild an der Universität der Künste Berlin zu studieren begann. Neben ihrer Tätigkeit als Kostümbildnerin entwickelt sie kontinuierlich eigene Performanceprojekte. Mit "Recherche" nach Marcel Proust wurde sie ans Outnow! Festival in Bremen und ans Maxim Gorki Theater Berlin eingeladen. Gemeinsam mit Caroline Creutzburg entstand das Stück "Eine Pistole, ein Tanz, etwas aus Holz das was kann", das 2010 den Jurypreis beim 100° Berlin gewann und im Anschluss im HAU 3 und beim Festival Theatermaschine in Gießen zu sehen waren. "Hommage an das Zaudern" ist die dritte gemeinsame Arbeit mit Laurent Chétouane.

STEFAN RICCIUS schloss 2003 seine Ausbildung zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik am Deutschen Schauspielhaus ab. Anschließend studierte er Medientechnik an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg mit Schwerpunkt Lichtdesign und integrierter Weiterbildung zum Meister für Veranstaltungstechnik. Seit 2008 arbeitete er in zahlreichen Projekten als Lichtdesigner und Technischer Leiter. "Hommage an das Zaudern" ist nach "horizon(s)"die zweite Zusammenarbeit mit Laurent Chétouane.