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Aufnahme: 09.08.2021 , Tanz im August | St. Elisabeth Kirche (Video © Walter Bickmann)

Radouan Mriziga

Ayur

Tanz im August | St. Elisabeth-Kirche

Texte zur Produktion

Der marokkanische Choreograf Radouan Mriziga stellt den zweiten Teil seiner Trilogie vor, die sich mit dem Wissen der Imazighen, einer in sich diversen Bevölkerungsgruppe Nordafrikas, auseinandersetzt. “Ayur”, ein Solo für die tunesische Choreografin und Performerin Sondos Belhassen, ist inspiriert von der antiken Mondgöttin Karthagos, Tanit. Als Behüterin eines lang verlorenen Wissens spricht sie die Worte der Dichterin Lilia Ben Romdhane und des Rappers Mahdi Chammen, während sie eine durchlässige Kuppel hinter sich unentwegt verlässt und erneut betritt. In einem silbrig schillernden, verwobenen Gefüge aus Tanz, Text und Architektur beschwört sie die Vergangenheit auf ihrer Suche nach einer inklusiveren Zukunft.

Der Choreograf und Tänzer Radouan Mriziga stammt aus Marrakech und lebt heute in Brüssel. Nach Aufenthalten in Marokko, Tunesien und Frankreich schloss Mriziga sein Tanzstudium bei P.A.R.T.S. in Brüssel ab. Schon früh begann er sich auf die Entwicklung eigener Arbeiten zu konzentrieren: 2014 entstand sein erstes Solo, “55”, worauf die Performances “3600” (2016), “7” (2017) und “0” (2019) folgten, in denen er sich dem Tanz über die Architektur näherte. Seit 2019 arbeitet Mriziga an einer neuen Trilogie, die von der Kultur und der Geschichte der Amazigh, einer in sich diversen Bevölkerungsgruppe Nordafrikas, inspiriert ist, Seine Arbeiten sind weltweit zu sehen. Zurzeit ist Radouan Mriziga Residenzkünstler am Kaaitheater in Brüssel (2017-2021) und bei deSingel in Antwerpen (2021-2025).

“Wir laden Sie ein, diese Arbeit als ein choreografisches Objekt zu betrachten, das auf der Idee von Gedichten und Raps als Partituren basiert. Worte und Wendungen sind hier Werkzeuge mit symbolischer, rhythmischer und kompositorischer Bedeutung und dienen nicht dazu, die Bewegungen zu erklären oder eine lineare Erzählung zu suggerieren. Die Gedichte und Raps haben ihre eigenen Bedeutungen und Nuancen in der tunesischen Sprache, und wir freuen uns darauf, durch diese Choreografie, durch Ihren Blick, und durch die Übersetzungen und Rhythmen gemeinsam neue Erzählungen für jede einzelne Person zu entwickeln.” Radouan Mriziga

Radouan Mriziga: […] Mit meiner Arbeit versuche ich, mich nicht nur auf die Geschichte Nordafrikas zu konzentrieren, sondern etwas Universelles zu hinterfragen: nämlich wie bestimmte Indigene Gruppen und bestimmte Arten von Wissen verleugnet oder verdrängt werden. Das ist ein globales Problem und es ist eine Frage des Wissens im Allgemeinen. In meiner Trilogie nehme ich die Perspektive der Amazigh ein, um herauszufinden, wie diese indigenen Gruppen im Laufe der Geschichte überlebt haben. Sie haben ihre Identität behalten und bewahren ihr Wissen in nichttraditionellen Medien. Es ist nicht wie akademisches Wissen; sie schreiben nicht über ihre Geschichte. Vielmehr bewahren sie ihre Geschichten in ihren Körpern, in ihrer Kunst, in ihrem Handwerk, in ihren Performances und in ihrem Geschichtenerzählen. Für mich geht es also eher darum, sie als ein Beispiel für das Überleben anzusehen und nicht als ein Beispiel für Opferrollen.

Gurur Ertem: […] Es schafft Hoffnung, dass nicht-materielles Wissen, wie zum Beispiel Bewegungen und Gesten, überleben und im Laufe der Zeit wieder auftauchen und neu zum Vorschein kommen können. […] Der Mittelmeerraum insbesondere ist auf allen Seiten so komplex, und es gab schon immer kulturübergreifende Vermischung und Aneignung. Noch immer wird über Kulturen so nachgedacht und gesprochen, als hätten sie sich als separate, in sich geschlossene, abgegrenzte Einheiten entwickelt. In Mainstream-Diskursen über Kultur und sogar in Kunstprogrammen sehen wir eine Menge Verflachung und eine Homogenisierung ganzer, heterogener Regionen. Aber die Menschen haben sich immer bewegt, sind gewandert und haben sich vermischt, und ihre Kulturen haben sogar schon in prähistorischen Zeiten koexistiert.

Das komplette Gespräch zwischen Radouan Mriziga und Gurur Ertem “Die Aufhebung von Wissenshierarchien” finden Sie im Magazin im August 2021 unter www.tanzimaugust.de/magazin.

[Quelle: Abendzettel]

TFB Nr. 1549

Besetzung & Credits

Konzept & Choreografie: Radouan Mriziga
Von & mit: Sondos Belhassen
Unterstützung in der Forschung zu den Imazighen: Hajar Ibnouthen
Text: Lilia Ben Romdhane, Mehdi Chammem “Massi”
Musik: Mehdi Chammem “Massi”
Kostüm: Anissa Aida
Bühne: Radouan Mriziga
Architektur & Kollaboration Bühne: Flayou
Assistenz künstlerische Leitung: Maïté Jeannolin
Produktion: Dream City, Tunis
Management & Distribution: Something Great (Berlin)
Assistenz Produktion: Synda Jebali
Übersetzung: Marwa Manaï, Lilia Ben Romdhan, Mahdi Chammem

Koproduktion: L’Art Rue, Tunis, Moussem – Nomadic Arts Centre, Brussels, Festival de Marseille, Marseille and A7TLA5, Brussels
Unterstützt durch: Fondation DOEN, i-Portunus, Mairie de Tunis
Technische Partner: SYBEL Light & Sound
Dank an: DEBO, Cyrine Boujila, Nawal Laroui, Leila Sebai, Manel Mahdouani, Mohamed Khalfallah, Zoubeir Mouhli, Wajdi Borji, Mehdi Ben Temessek, Ghilen Agrebi

In Kooperation mit dem Kultur Büro Elisabeth.

Tanz im August 2021
Künstlerische Leitung: Virve Sutinen
Produktionsleitung Festival: Stefan Nagel
Kuratorin & Projektleitung: Andrea Niederbuchner
Produktionsleitung & Assistenz der Künstlerischen Leitung: Alina Scheyrer-Lauer
Produktion & Logistik: René Dombrowski
Produktion: Monica Ferrari, Florian Greß, Johanna Herrschmann, Mmakgosi Kgabi, Ben Mohai, Charlotte Werner
Technische Leitung Festival: Ingo Ruggenthaler
Tanz im August ist ein Festival des HAU Hebbel am Ufer, gefördert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds.

St. Elisabeth-Kirche

Invalidenstr. 3
10115 Berlin

gemeinde-am-weinberg.de
Karte

Videodokumentation

Die Videodokumentation wird von der Kulturprojekte Berlin GmbH im Auftrag der Senatsverwaltung für Kultur und Europa hergestellt. Im Rahmen dieses Auftrags werden Produktionen im Bereich des zeitgenössischen Tanzes in Berlin dokumentiert. Die Masteraufnahmen werden von der Universitätsbibliothek der Universität der Künste Berlin archiviert. Kopien der Dokumentationen auf DVD werden folgenden Archiven zur Verfügung gestellt und sind ausschließlich im Präsenzbestand (an den Medienplätzen vor Ort) zur Sichtung zugänglich:

Universitätsbibliothek der Universität der Künste Berlin
Mediathek für Tanz und Theater des Internationalen Theaterinstituts / Mime Centrum Berlin
Hochschulübergreifendes Zentrum Tanz Berlin

Radouan Mriziga / Trailer und Videodokumentationen

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