Skip to content

Aufnahme: 08.08.2021 , Tanz im August | HAU1Hebbel am Ufer (Video © Walter Bickmann)

Ayelen Parolin, RUDA

WEG

Tanz im August | HAU Hebbel am Ufer (HAU1)

Texte zur Produktion

In “WEG” schafft die argentinische Choreografin Ayelen Parolin eine kaleidoskopische Landschaft sich fortwährend verändernder Identitäten. Unter der Begleitung der Pianistin Lea Petra erforschen sieben Tänzer:innen eklektische Wege, schütteln sich durch unterschiedliche Bewegungsrepertoires hindurch, auf der Suche nach dem Tier, das jeder Mensch in sich trägt. Parolin bezieht sich auf die Arbeiten des Physikers Pierre C. Dauby zu dynamischen Systemen, um eine stürmische Polyphonie zu schaffen, in der unkontrollierbare Zuckungen die Tänzer:innen ergreifen und man Instabilität mit Extravaganz begegnet.

Die aus Buenos Aires stammende argentinische Choreografin Ayelen Parolin lebt und arbeitet in Brüssel. Sie ist Preisträgerin des Pépinières Européennes for Young Artists Programms und war unter anderem in Arbeiten von Mathilde Monnier und Alexandra Bachzetsis zu sehen, bevor sie begann eigene Choreografien zu entwickeln. 2015 feierte ihr autobiografisches, sich fortwährend weiterentwickelndes, Solo “25.06.76”, dass nach ihrem Geburtsdatum benannt ist, Premiere in New York. Seitdem hat sie sich im Rahmen ihrer choreografischen Arbeit mit Weiblichkeit, Animalismus und der Dekonstruktion von Männlichkeit auseinandergesetzt. Für ihr Stück “Heretics” mit der Pianistin Lea Petra wurde sie 2015 in das Aerowaves-Netzwerk aufgenommen, 2016 war sie Stipendiatin des Fellowships der Pina Bausch Foundation und erhielt den Choreografie Preis der SACD. Sie entwickelt Auftragsarbeiten für bedeutende Tanzkompanien aus der ganzen Welt und ist zurzeit Residenzkünstlerin am Théâtre de Liège und Charleroi Danse.
ayelenparolin.be

Wie wird man zur Gruppe? Wie kann man in der Mehrzahl existieren ohne die Einzahl zu verwischen? Wie mischt man Schwarz und Weiß, ohne dass es zu Grau wird? Dies sind nur einige der Fragen, die am Anfang von “WEG” standen, dessen Hauptanliegen laut Ayelen Parolin darin lag “ausgehend von neun Individualitäten ein Chaos zu komponieren, eine ‘Landschaft’ zu zeichnen: eine komplexe Dis/Harmonie. […] Bevor ich angefangen habe an dem Stück zu arbeiten, habe ich Pierre C. Dauby der Universität von Lüttich getroffen, der mich in meinem Versuch der Chaostheorie anzunähern unterstützt und begleitet hat. Ich war fasziniert von den unsichtbaren Verbindungen, die man in der Natur findet, wie dort alles mit einander vernetzt ist… Ich wusste auch, dass ich Wege zeichnen wollte, individuelle Laufbahnen, die sich treffen und fast unbemerkbar überschneiden, es ging darum ein instabiles Gleichgewicht zu schaffen, Spannung zwischen individueller Einzigartigkeit und gemeinsamer Abstraktion.“

Die Lust daran mit instabilen Gleichgewichten zu spielen, mit Gegensätzen zu jonglieren, mit Widersprüchen: dies sind Leitmotive von Ayelen Parolins Handschrift. Nicht aus Hang zum Widerspruch, sondern weil es etwas über uns aussagt: wir sind immer komplexer, als wir es glauben wollen – oder preisgeben wollen. “Was ich schön finde und mich anzieht am Menschen sind all seine Risse, seine Schwächen, seine Ungereimtheiten, seine Merkwürdigkeiten. Damit möchte ich arbeiten – und ich denke, das war immer mein Ausgangspunkt: Sachen nicht verschönern, sondern im Gegenteil, die Unebenheiten betonen, die Beulen, die Löcher…“ Zu Komplexität stehen, Kluften ablehnen, sie aufeinanderprallen lassen. Der binären Logik der westlichen Gesellschaft, die beschränkt und reduziert, nicht beipflichten… Diesem Ansatz liegt ein zutiefst queerer Geist zugrunde – selbst wenn die Künstlerin diesen Begriff nicht für sich beansprucht und man sie auf einer rein formalen, ästhetischen Ebene nicht primär so beschreiben würde.
Das komplette Porträt von Ayelen Parolin, “Die Suche nach den schönen Ungereimtheiten” von Olivier Hespel erschien im Magazin im Au- gust 2020. Sie finden es online unter www.tanzimaugust.de/magazin.

[Quelle: Abendzettel]

TFB Nr. 1548

Besetzung & Credits

Choreografie: Ayelen Parolin
Musikkomposition & Piano: Lea Petra
Mit: Daniel Barkan, Baptiste Cazaux, Jeanne Colin, Piet Defrancq, Daan Jaartsveld, Dan Mussett, Bianca Zueneli
Assistenz Choreografie: Julie Bougard
Dramaturgie: Olivier Hespel
Licht: Laurence Halloy
Technische Leitung: Gaspar Schelck
Kostüm: Wim Muyllaert
Produktionsmanagement & Booking: Gabriel Nahoum
Administration & Produktionsmanagement: Manon Di Romano
Eine Koproduktion von Tanz im August
Produktion: RUDA asbl, DC&J Création
Koproduktion: Tanz im August / HAU Hebbel am Ufer, Charleroi danse, Théâtre de Liège, Atelier de Paris / CDCN, Theater Freiburg
Studios bereitgestellt von: Charleroi danse / La Raf nerie & Les Ècuries, Studio Thor, Pianofabriek
Unterstützt von: Wallonia-Brussels Federation, Wallonie-Bruxelles International, Wallonie-Bruxelles Théâtre / Danse, Tax Shelter der Bundesregierung von Belgien, Inver Tax Shelter und Nationallotterie
Dank an: Pierre C. Dauby, Sofie Durnez, Catherine Massin
Théâtre de Liège heißt Ayelen Parlin willkommen in “companionship” (2018–2022).

Tanz im August 2021
Künstlerische Leitung: Virve Sutinen
Produktionsleitung Festival: Stefan Nagel
Kuratorin & Projektleitung: Andrea Niederbuchner
Produktionsleitung & Assistenz der Künstlerischen Leitung: Alina Scheyrer-Lauer
Produktion & Logistik: René Dombrowski
Produktion: Monica Ferrari, Florian Greß, Johanna Herrschmann, Mmakgosi Kgabi, Ben Mohai, Charlotte Werner
Technische Leitung Festival: Ingo Ruggenthaler
Tanz im August ist ein Festival des HAU Hebbel am Ufer, gefördert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds.

HAU Hebbel am Ufer (HAU1)

Stresemannstr. 29
10963 Berlin

hebbel-am-ufer.de
Karte

Tickets: +49 (0)30 259 004 27
tickets@hebbel-am-ufer.de

Videodokumentation

Die Videodokumentation wird von der Kulturprojekte Berlin GmbH im Auftrag der Senatsverwaltung für Kultur und Europa hergestellt. Im Rahmen dieses Auftrags werden Produktionen im Bereich des zeitgenössischen Tanzes in Berlin dokumentiert. Die Masteraufnahmen werden von der Universitätsbibliothek der Universität der Künste Berlin archiviert. Kopien der Dokumentationen auf DVD werden folgenden Archiven zur Verfügung gestellt und sind ausschließlich im Präsenzbestand (an den Medienplätzen vor Ort) zur Sichtung zugänglich:

Universitätsbibliothek der Universität der Künste Berlin
Mediathek für Tanz und Theater des Internationalen Theaterinstituts / Mime Centrum Berlin
Hochschulübergreifendes Zentrum Tanz Berlin

Nach oben