Springe zum Inhalt

Aufnahme: 05.02.2015 , Uferstudios (Video © Walter Bickmann)

Zufit Simon

I LIKE TO MOVE IT

Uferstudios

Texte zur Produktion

Es wird nicht zur Musik getanzt und es wird nicht zum Tanz musiziert. Wo Wild Thing aufhörte, setzt I LIKE TO MOVE IT an: Das choreografische Konzert für drei Tänzerinnen und sechs Lautsprecher. Erst allmählich entsteht in einem musikalisch-choreografischen Prozess ständiger Verschiebungen und unmerklicher Brüche eine Situation der gegenseitigen Abhängigkeit von Tanz und Musik. Wenn die Tänzer in raumgreifenden Dialog mit den sechs Lautsprechern treten und vertrautes Bewegungsvokabular aus gewohnten Kontexten lösen und spielerisch transformieren, entsteht ein Rhythmus überraschender Bilder. An diesem Abend gerät man in einen geschlossenen Kreislauf der wechselseitigen Beeinflussung, den Zufit Simon mit gewohntem Scharfsinn und kluger Komik initiiert.

Was stellt sich ein, wenn starre Funktionsweisen gebrochen und die Relation von Klang und körperlicher Darstellung als notwendiges Miteinander behauptet werden? In skeptischer Erwiderung auf gängige Muster und scheinbar Selbstverständliches bedient sie sich demonstrativ an aus medialen und popkulturellen Formaten vertrautem Bewegungsvokabular und musikalischen Zitaten – Coverversionen berühmter Popsongs, glänzende Mikrofone und die rhythmischen Moves der unvermeidlichen Backgroundchöre sind das Rohmaterial, aus dem Simons tiefgründigen Abende gebaut sind. In dieser Arbeit recherchiert die Choreografin in dem Spannungsfeld zwischen verschiedenen Klangformen sowie dem Verhältnis von Musik, Tanz und Stille. Bereits im Vorgängerstück Wild Thing ging es für Zufit Simon und den bulgarischen Komponisten und Musiker Alexander Grebtschenko darum, anhand des legendären Kultsongs ein gleichberechtigtes System zu entwickeln, in dem sich Tanz, Klang und Körper in einer untrennbaren Beziehung ergänzen: Das Rock ́n Roll-Zitat wird zum Komplizen der Tänzerin, die der schon zum Klischee erstarrten Melodie in der physischen Auseinandersetzung mit einem Lautsprecher eine neue, eigenwillige Sichtbarkeit abringt.

Zufit Simon, Tänzerin und Choreografin, in Israel geboren, schloss ihr Abitur dort mit Tanzabschluss ab und studierte klassischen und zeitgenössischen Tanz in Frankfurt an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst. Seit 1999 tanzte sie in verschiedenen Kompanien u.a. mit Christoph Winkler, Ingo Reulecke, Sabine Glenz und Micha Purucker. Mit „fleischlos“ gewann sie 2005 den 3. Preis für das beste deutsche Tanzsolo bei der euroscene/ Leipzig und den 3. Preis beim Internationalen Choreografiewettbewerb/ Hannover für „Meine Mischpuche“, das im Rahmen des „Tanz im August“ Festivals 2008 Premiere hatte. 2010 wurde sie mit dem Solo „fleischlos“ nach Dar Es Salam in Tansania eingeladen. 2012 wurde sie vom Goethe-Institut Moskau eingeladen, in Kasan/ Russland ein Stück mit der Chamber Ballet Panther Dance Company zu entwickeln. Aus der Zusammenarbeit mit dem Komponisten Alexander Grebtschenko entstand die Arbeit „Wild Thing“. Aus dieser Arbeit heraus entwickelte sich das choreografische Konzert „I LIKE TO MOVE IT“. Diese Produktion war in der Auswahl der „Tanzplattform Deutschland 2014“ in Hamburg und wurde zu mehreren Festivals eingeladen. In Zusammenarbeit mit dem Regisseur Moritz Schönecker eröffnete sie 2013 mit „Sepsis – das System ist vergiftet“ das Festival“Theater in Bewegung“ am Theaterhaus Jena. Zuletzt vollendete sie eine dreijährige Researcharbeit zum Thema Emotion mit der Trilogie „piece of something“.

Frederik Olofsson arbeitet seit dem Jahr 2000 als selbständiger Musiker, Komponist, Videokünstler und Entwickler. Er studierte Komposition am Royal University College of Music in Stockholm sowie Arrangement/Komposition an der Technischen Universität Luleå. Verschiedene Stipendien, u.a. als Komponist für das European Bridges Ensemble, Hamburg; Artist in Residence in Iamas, Japan. Olofsson entwickelte in verschiedenen Zusammenhängen Software und Hardware für Projekte wie das Rhyme Research Projekt, Oslo; das ifields Research Projekt, certec/furuboda, Lund; und war Research Fellow an der University of Westminster, London. Seine eigenen künstlerischen Arbeiten umfassen unter dem Label „redfrik“ Live Musik Solo Performances, unter dem Label „/f0“ Live Video Performances (gemeinsam mit DJ ́s, Tänzern, Improvisationsmusikern, Komponisten, Ensembles. Frederik Olofsson unterrichtet regelmäßig in Workshops und Kursen an Kunsthochschulen wie der UDK Berlin und der School of Architecture and Design Oslo.

Alexander Grebtschenko, geboren 1975 in Varna/Bulgarien, studierte Viola an der Staatlichen Hochschule für Musik in Freiburg, Komposition bei Cornelius Schwehr und elektronische Musik bei Mesias Maiguashca. Er erhielt verschiedene Stipendien, u.a. bei den Donaueschinger Musiktagen (1998); das Stipendium des Bundespräsidenten, vergeben beim Felix-Mendelssohn-Wettbewerb (2000) und einen Kompositionsaufenthalt im IRCAM, Paris. 2002 bis 2004 Landesgraduiertenförderung im Fach Akustik an der MHS Freiburg. Ab 2004 Leiter des neu gegründeten Studios für elektronische und elektroakustische Musik an der Musikschule Konstanz. Aufführungen in Deutschland, Italien, England, USA, Kanada, Österreich und in der Schweiz.

Cheri Isen wurde in Dänemark geboren. Sie studierte zeitgenössischen Tanz in München an der Iwanson International School of Contemporary Dance, München. Während ihrer Ausbildung tanzte sie in Choreografien von Jochen Heckmann, Jan Kotet, Katja Wachter und Minna Marie Heiss und entwickelte auch eigene Choreografien. Nach dem Abschluss ihrer Ausbildung im Jahr 2012 arbeitete sie mit Johann Härt und Stefan Dreher (Sixteen Dances von John Cage, Dance Festival München und ein Solo).

Alessandra Defazio arbeitet als freie Tänzerin und Choreografin in Deutschland, Italien und der Schweiz. Sie studierte Tanz und Theater an der Folkwangen Hochschule Essen (Diplom 2006). Während ihrer Ausbildung arbeitete sie mit Künstlern und Künstlerinnen wie Micha Purucker, Angie Hiesl, Davide Camplani, Jo Fabian, Willy Dorner, Allora & Calzadilla, Canan Erek, Kuo-Chu Wu, Orlando Rodriguez, Susanne Linke und Leandro Kees. Daneben realisierte sie eigene Projekte, wie Gyroscope, Poliedricamente und De lotro lado, die beim Festival Oltrepasso/Italien, an der Folkwang Hochschule Essen und am Tanzhaus Zürich gezeigt wurden. In der Spielzeit 2008/2009 war sie als Gast am Luzerner Theater engagiert, wo sie mit Verena Weiss arbeitete.

[Quelle: Abendzettel]

Besetzung & Credits

Choreografie & Konzept: Zufit Simon
Sound: Fredrik Olofsson, Alexander Grebtschenko
Tanz: Alessandra Defazio, Cheri Isen, Zufit Simon
Licht: JOM und Michael Kunitsch
Bühne: Dietrich Oberländer
Kostüme: Sarah Marguier
Produktionsleitung: artblau Tanzwerkstatt / Dietrich Oberländer
Die Produktion wurde gefördert durch die Kulturverwaltung des Berliner Senats. Das Gastspiel wird gefördert durch den Fonds Wiederaufnahme des Berliner Senats.

Uferstudios

Uferstr. 8/23
13357 Berlin

uferstudios.com
Karte

Tickets: reservix.de

Videodokumentation

Die Videodokumentation wird von der Kulturprojekte Berlin GmbH im Auftrag der Senatsverwaltung für Kultur und Europa hergestellt. Im Rahmen dieses Auftrags werden Produktionen im Bereich des zeitgenössischen Tanzes in Berlin dokumentiert. Die Masteraufnahmen werden von der Universitätsbibliothek der Universität der Künste Berlin archiviert. Kopien der Dokumentationen auf DVD werden folgenden Archiven zur Verfügung gestellt und sind ausschließlich im Präsenzbestand (an den Medienplätzen vor Ort) zur Sichtung zugänglich:

Universitätsbibliothek der Universität der Künste Berlin
Mediathek für Tanz und Theater des Internationalen Theaterinstituts / Mime Centrum Berlin
Hochschulübergreifendes Zentrum Tanz Berlin

Zufit Simon / Trailer und Videodokumentationen

Nach oben